»Bei mir ist das Gras grüner« - Praxiskiste
Film, Print, Projekte, Weg
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»Bei mir ist das Gras grüner«

Was mache ich nach meinem Studium im Medienbereich? Vor dieser Frage ist wohl keiner gefeit. Nicole Turkin traf den Diplom-Designer Patrick Grossien in seinem Büro in Stuttgart, um mit ihm über pingelige Kunden und die Hürden der beruflichen Selbstverwirklichung zu sprechen.

 

Praxiskiste: Nach der Schulzeit hast du erst mal bei einem Filmproduzenten gearbeitet. Geschah das aus deinem Wunsch heraus, Regisseur zu werden?

Patrick Grossien: Damals zu Prä-Internet-Zeiten war mir nicht ganz klar, was man alles studieren kann. Ich dachte, man fängt mit irgendwelchen anderen Jobs an, zum Beispiel Kameramann, und wird dann zum Regisseur – und nicht, dass man das studiert, so absurd es klingt. Für mich hat es sich während der Arbeit bei dieser Produktionsfirma so ergeben, dass das eigentlich genau die Mischung aus allem ist, was ich gerne mache: Musik, Schauspiel, bildende Künste, Kamera und so weiter. Diese ganze Kombination von Komposition über Storytelling bis zur Schauspielkunst hat mich angefixt.

Wieso hast du dich umentschieden und in Pforzheim Visuelle Kommunikation studiert?

Das ist die Krux bei mir, dass ich sehr viele Dinge mache. Ich habe, von Schauspielerei bis Zauberkunst, allen möglichen Wahnsinn betrieben, der in irgendeiner Form kreatives Austoben ist. Dementsprechend bin ich vom Zeichnen dann irgendwie zum Design gekommen. Während meiner Schulzeit hatte ich verschiedene Praktika bei verschiedenen Werbeagenturen gemacht. Das hat mir auch viel Spaß gemacht. Bei der Bewerbung für das Studium habe ich breit gefächert. Ich hatte mich parallel für Schauspiel, Film und Design beworben und bin dann etwa eineinhalb Jahre herumgetingelt. Das war eine extrem unzufrieden stellende Zeit. Visuelle Kommunikation war das Erste, das geklappt hat und da hatte ich schon keinen Nerv mehr, muss ich ehrlich gestehen. Es war zwar zweite Wahl, aber nicht abwegig, weil der Studiengang auch Medienkunst anbot.

Wovon wurdest du im Filmbereich, gerade auch hinsichtlich des Animationsfilms am meisten beeinflusst?

Diese Leidenschaft für Filme hat in der Kindheit angefangen, zunächst für Spielfilme und dann auch für Trickfilme. Trickfilme habe ich gemocht, wie wahrscheinlich jedes Kind. Später waren es auch Animeserien und -filme wie ,Ghost in the Shell‘, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Auch über die Teeniejahre hinaus bis Anfang der Zwanziger. Ich fing dann an, selbst Filme zu produzieren. Für meinen allerersten Film habe ich viele Specialeffects benutzt – zumindest für meine damaligen Verhältnisse – also Greenscreen-Effekte, Körperteile, die abgetrennt wurden, und dergleichen. Es war aber kein Horrorfilm, sondern eine Geschichte über einen Zaubermeister. Da haben sich Dinge verselbstständigt, eine Hand hat sich zum Beispiel gelöst. Da waren schon erste Animationen dabei.

Warum heißt dein Unternehmen »greener-grass«?

Die Frage stelle ich mir auch jeden Tag auf`s Neue, wenn ich diesen Namen sehe! Du kennst bestimmt den Spruch »Das Gras ist auf der anderen Seite des Zauns immer grüner«. Das ist die Grundaussage von greenergrass. Bei mir ist die andere Seite. Wenn du möchtest, dass dein Gras auch so grün ist wie bei mir, kannst du zu mir kommen und wir schauen, wie wir das Gras grüner gestalten können.

Welche Aufträge bekommst du am liebsten, filmische Aufträge oder Printaufträge?

Filmische Projekte, denn die sind oft konzeptioneller. Bei vielen Printaufträgen ist es, zumindest bei mir so, dass ich nicht das Rad neu erfinden kann, sondern dass ich bestehendes Design aufgreife und da weitermache. Dazu kommt, dass Film meine größere Leidenschaft von beiden ist. Printprojekte haben die Tendenz, dass sie in ein bis zwei Wochen oder in einem Monat abgeschlossen sind. Bei Filmprojekten braucht man allein durch die Planung und Konzeption mehr Zeit, sodass man sich mehr austoben kann.

Bist du nicht – wenn es mal länger dauert – gegen Ende ermüdet und denkst: »dieses Projekt kann ich nicht mehr sehen«?

Das kann bei allen Projekten passieren, sowohl im Print als auch beim Film. Bei Filmaufträgen, wenn man sich am Schluss über eine Kleinigkeit nicht hundertprozentig einig wird und dem Kunden zum Beispiel die Hintergrundmusik nicht gefällt. Wenn alles fertig ist und der Kunde sagt aber: »Dieses Blau ist eher Himmelblau, können wir das nicht eine Nuance dunkler machen?«. Oder: »Das gefällt mir gut, ich zeige es noch meinen Kollegen«. Und die Kollegen sagen: »Das sieht aber nicht so aus, wie das, was hier schon haben. Das muss man doch anders machen.« Solche Sachen sind  frustrierend. Das bleibt leider nicht aus. Ich finde dass es genau darum geht, dass ich etwas Neues und Besonderes mache, das auffällt, das eben nicht der Norm entspricht.

Gibt es auch Aufträge oder andere Arbeiten, die dir im Nachhinein peinlich waren?

Peinlich wäre jetzt vielleicht zu viel gesagt, ich nenne es dann ,nicht zeigenswert‘. Wenn ich stolz auf etwas bin, das ich gemacht habe, und es wird verwässert durch die Kompromisse, die ich für den Kunden eingehe, kann es passieren, dass es nichts mehr ist, das ich mit Stolz zeigen kann. Ich würde nicht sagen, dass mir diese Sachen peinlich sind, aber ich halte nicht die Fahnen hoch und sage: »Schau mal, das habe ich gemacht«.

Auf welche Arbeit bist du bisher am stolzesten? Gibt es eine, bei der du denkst »das ist es«?

Ich habe nicht die »eine« Arbeit. Sondern an vielen Projekten gefällt mir ein Aspekt. Zum Beispiel habe ich für den Kunden, aus dessen Tassen wir gerade trinken, auch das Logo gemacht. Das war ein langer Prozess und auf dieses Logo bin ich stolz. Das ist sehr cool geworden. Das Gesamtprojekt ist aber mal so, mal so. Bei Filmprojekten fällt es mir auch schwer. Ich habe Filmprojekte, auf die ich sehr stolz bin, aber auch die sind Dienstleistungen und Kompromisse sind involviert. Daher kann ich nicht sagen: Das ist es. Da war ich früher auf selbst produzierte Sachen stolzer.

Zum Beispiel der Zaubererfilm? Bist du auf den stolz?

Der wäre mir jetzt im Nachhinein peinlich! Damals war ich wirklich stolz darauf. Aber das liegt auch schon 20 Jahre zurück…

Zur Person
Patrick Grossien lehrt als Dozent an der HfG Pforzheim in den Fachbereichen Kunst mit audiovisuellen Medien, Webdesign und Animation. Außerdem betreibt er seit 2007 das Unternehmen »greenergrass design and motion«, wo er für seine Kunden u.a. Logos und Werbespots produziert.

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